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15.03.2018

Winfried Tränkner - ein freier, glücklicher Künstler

Elmar Müller berichtet von Veranstaltung der SENIOREN-UNION am 8.3.2018

Winfried Tränkners Lebensorientierung sind die Freiheit und die Natur. Diese Themen bildeten das Fundament in einem faszinierenden Gespräch, zu dem der Bildhauer in eine Veranstaltung der CDU-Senioren-Union nach Kirchheim kam, um über seinen Arbeitsalltag zu berichten. Tränkner, der bei Prof. Türk an der Freien Kunstschule in Nürtingen Bildhauerei studierte, lebt mit seiner Frau, der Glaskünstlerin Gabriela Tränkner und drei Söhnen in Bissingen.

Bereits in einer einleitenden Filmeinspielung überraschte er die Zuhörer über die große Zahl seiner oft  lebensgroßen Werke an Skulpturen, Plastiken, von denen fast Jeder Zuhörer mindestens eines davon kannte, ohne jeweils gewusst zu haben, dass sie von ihm geschaffen wurden. Eines seiner bekanntesten Werke ist sicherlich der Ochsenbrunnen in Ochsenwang. Auch in Kirchheim sind es inzwischen eine Handvoll auf Plätzen, Schulen und kirchlichen Räumen. Eine Plastik, die seinerzeit viele kontroverse Diskussionen ausgelöst hatte, ist in Nabern die Figur eines Pfarrers mit erhobenem Zeigefinger. Der damalige Seelsorger hätte den Auftrag wohl gerne verhindert, Auftraggeber war aber der Ortschaftsrat und so erzählt das Werk auch in Zukunft noch von der hierarchischen Ordnung im Dorfleben früherer Tage.  Dabei war sein künstlerisches Anfangswerk gerade in Kirchheim von einem bitteren Erlebnis geprägt. Als er für seinen jung verstorbenen Vater ein steinernes Grabmal in ausschließlicher Handarbeit geschaffen hatte, verweigerte ihm die Stadt mit dem Hinweis auf die Friedhofsatzung eine Aufstellung am Grab. Längst hat Inzwischen  der Landkreis diese Skulptur erworben und sie kann heute in Nürtingen auf dem Säer besucht werden.

Sein berufliches Tun bietet aber auch in seinem Atelier am Dorfrand von Bissingen seit 20 Jahren in der Sommerzeit neugierigen Kindern seiner Heimatgemeinde einen vorübergehenden Aufenthalt an. Hier dürfen sie unter seiner Anleitung selbst ein kleines Werk schaffen und mit nach Hause nehmen. Dabei löst er auch Erstaunen aus, wenn er die Frage beantworten soll, wie lange er beispielsweise an einem lebensgroßen Holzrückepferd arbeitet, das in einer Schwarzwaldgemeinde einen Dorfplatz ziert. Von den ersten Skizzen am lebenden Modell bis zum vollendeten Guss könne da gerne ein ganzes Jahr vergehen.

Einblick in seine „Seelenwelt“ gibt Tränkner, wenn er angesichts der beunruhigenden Nachrichten aus aller Welt von innerer Bedrängnis spricht und auf die moralische Instanz verweist, zu der er sich als Kunstschaffender verpflichtet fühlt. In seinen Werkstoffen verwendet er nur heimische Materialien. Steine, die in Asien durch Kindersklaven geschaffen werden findet er widerwärtig. Andererseits kann er sich an einem Balken erfreuen, der mehrere einhundert Jahre ein Haus getragen hat und auch zuvor schon ein ganzes Jahrhundert gewachsen ist. Und nun, so will er verstanden sein, liegt es an ihm,  diesem Holz in Form eines bleibenden Kunstwerkes eine zweite  Chance  zu geben, damit es in seiner Dauerhaftigkeit weiterhin ein Teil unserer Geschichte bleibt.

Die Besucher der Senioren-Union konnten an diesem Nachmittag einen ungewöhnlichen Künstler mit tiefen Gedanken und Herzenswärme erleben.

 
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