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18.01.2016

Thaddäus Kunzmann lud zum Pflegedialog

Kaum ein anderer Bereich wie jener der Pflege von hilfsbedürftigen Menschen ist heute so stark im Umbruch. Seit zwei Jahren gehört der Nürtinger Landtagsabgeordnete Thaddäus Kunzmann der auf Initiative der CDU-Landtagsfraktion ins Leben gerufenen Enquetekommission Pflege an. Doch wie hat sich die Zahl der Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg seit der Einführung der Pflegeversicherung im Jahre 1995 entwickelt und wie kann die Politik die richtigen Weichen für eine zukunftsorientierte Pflege stellen, die auch den Ansprüchen der Menschen gerecht wird? Diese Fragen stellen sich Mitglieder der Enquetekommission des Landtags, welche der Landesregierung verbindliche Handlungsempfehlungen über die Legislaturperiode hinaus an die Hand gibt. Um auch externe Meinungen in diese Expertenrunde zu tragen, lud Thaddäus Kunzmann gleich an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in Filderstadt und Frickenhausen zu einem Dialog zwischen ihm und den Verantwortlichen aus dem Bereich Pflege seines Wahlkreises ein. Dies sollte nicht nur ein Stimmungstest sein, sondern soll vor allem akute Probleme in diesem Bereich aufzeigen, erklärt Kunzmann.

Um die Pflege im Land generationengerecht zu gestalten wurde bereits 2014 die parteiübergreifende Kommission eingesetzt mit dem Ziel, die Rahmenbedingungen für Pflegende und Pflegebedürftige neu zu justieren um eine qualitativ hochwertige Pflege über die Jahre hinweg zu gewährleisten.

Aktuell gibt es in Baden-Württemberg rund 300.000 Menschen mit Pflegebedarf. Rund zwei Drittel der Menschen werden weiterhin durch einen Familienangehörigen Zuhause gepflegt – oftmals geschieht dies unter Zuhilfenahme eines ambulanten Pflegedienstes. Lediglich ein Drittel der Pflegebedürftigen seien stationär in einem Pflegeheim untergebracht. „Diese Zahl wird mittelfristig spürbar steigen“, so Kunzmann.

„Ebenfalls erwarten wir bis zum Jahre 2030 bis zu 100.000 Menschen mehr, welche Pflege in Anspruch nehmen werden“, prognostiziert der Nürtinger CDU-Abgeordnete. Durch die geänderte Landesbauverordnung und die damit geltende Regelung, dass 2019 es nur noch Einzelzimmer in der stationären Pflege geben soll, werden gerade private Träger an den Rand der Rentabilität gedrängt. Aus diesem Grund fordere die CDU in dieser Frage mehr Flexibilität.

Gerade Frauen müssten wegen der höheren Lebenserwartung häufiger auf die Inanspruchnahme von Pflegeleistungen zurückgreifen. Zudem seien ca. 40 % der Pflegeheimbewohner Empfänger von Sozialhilfe.

Dennoch richtet sich der Blick der Enquetekommission nicht nur auf die zu Pflegenden, sondern auch auf das Pflegepersonal. „Die in der Pflege beschäftigten Personen sind einer hohen körperlichen und psychischen Belastung ausgesetzt“, so Thaddäus Kunzmann. Dies gelte neben den stationär als auch ambulant beschäftigten Pflegekräften, auch für die Angehörigen, welche in der häuslichen Pflege tätig sind. Kommission gehe davon aus, dass sich bis zum Jahr 2030 der Personalmehrdarf um 57.000 zusätzliche Pflegekräfte erhöhen wird. Hier hält Kunzmann die flexible Anpassung des Personalschlüssels für unabdingbar. Eine Refinanzierung wäre in diesem Fall die Konsequenz. Ein großes Thema sei auch die leistungsgerechte Vergütung von sozialen Diensten. Dies trage ebenso dazu bei, das breite Berufsfeld im Bereich Pflege für junge Menschen attraktiver zu gestalten. Ob die vom Bund geplante generalistische Ausbildung hierzu beitragen wird, ist zunächst unklar. Auch die Palliativpflege soll ein fester Bestandteil in der Ausbildung sein um besser für die Zukunft gerüstet zu sein. Zudem soll die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen künftig schneller geschehen. Das Land werde außerdem eine Imagekampagne ins Leben rufen um mehr Auszubildende und Quereinsteiger für soziale Berufe zu gewinnen.

Vor den zahlreichen Verantwortlichen aus dem Bereich Pflege erläuterte Thaddäus Kunzmann die Schwerpunkte des erarbeiteten Abschlussberichtes der Enquetekommission Pflege, welche in Kürze dem Landtag vorgestellt werden wird.

„Wir müssen ein Bewusstsein schaffen, dass dieses Thema uns alle angeht“, fordert Kunzmann. Bereits in frühen Jahren sollen Jugendliche und Erwachsene an später denken und entsprechend vorsorgen. Präventive Maßnahmen sollen auch ein Bewusstsein für eine gesunde Lebensweise schaffen. So sollen auch Maßnahmen zur Rehabilitierung bereits während es Krankenhausaufenthaltes stattfinden.

Befassen müsse man sich auch mit barrierefreien Wohnraum in ausreichender Anzahl. Hier sieht Kunzmann vor allem die Kommunen in der Pflicht: „Die Kommunen müssen in ihren Quartierskonzepten die Ansprüche einer immer älter werden Gesellschaft berücksichtigen“. Dies treffe in gleichem Maße auch den öffentlichen Raum – ohne eine finanzielle Beteiligung des Bundes oder dem Land sei dies allerdings kaum zu realisieren. Um einen Anlaufpunkt in einer Kommune zu schaffen, könne ein sogenannter Pflegestützpunkt eingerichtet werden.

Des Weiteren beschäftigte sich die Enquetekommission mit dem Umgang von Menschen mit Migrationshintergrund und der Frage, wie mit deren veränderten Ansprüchen umgegangen werden sollte. „Die kulturellen Hintergründe dieser Bedürftigen müssen berücksichtig werden um die Würde des Menschen im Alter und in der Pflege gewährleisten zu können“, berichtete Kunzmann aus dem Landtag. Generell sieht Kunzmann die Pflege in Baden-Württemberg auf einem sehr hohen Niveau. Dennoch führe die Doppelkontrolle durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen und die Heimleitung zu einem vermeidbaren bürokratischen Aufwand. Zudem soll eine Standarisierung der Dokumentationspflicht dazu führen, dass das Pflegepersonal entlastet werde.

Nun geht die Arbeit der Enquetekommission Pflege zu Ende – über 200 Handlungsempfehlungen wird sie damit der aktuellen und auch der künftigen Landesregierung übergeben. „Die Umsetzung solcher Handlungsempfehlungen ist langwierig und werden sich über zehn bis 15 Jahre hinziehen. Jede Landesregierung wird hier ihre eigene Schwerpunkte setzen und diese entsprechend bearbeiten“, bilanzierte Thaddäus Kunzmann zum Abschluss.

 
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