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17.10.2015

„Wer pflegt uns in der Zukunft?“

Thaddäus Kunzmann informiert zu Trends und Entwicklung in der Pflege

„Wir fühlen uns ja alle noch recht jung“ leitete der CDU-Landtagsabgeordnete Thaddäus Kunzmann seinen Vortrag zur Pflege beim Kreisverband der Senioren-Union ein. „Das schützt aber vor Pflegebedürftigkeit im Alter nicht.“ Immer mehr Menschen brauchen immer intensivere Pflege, so Kunzmann. Zwar kämen Menschen immer später in ein Pflegeheim, umso vielfältiger seien dann in der Regel aber auch die Pflegebilder. Insbesondere Demenzerkrankungen haben an Bedeutung gewonnen.

Pflegerisiko von Frauen ist höher

Zwei Drittel der Pflege wird zu Hause erledigt. Dort sind es vor allem Frauen, die die Arbeit übernehmen. „Pflege ist weiblich“, beschrieb es Thaddäus Kunzmann. Die meist jüngeren Ehefrauen pflegen ihre Männer oder es sind die Töchter und Schwiegertöchter, die Pflege übernehmen und dafür oft im Beruf zurückstecken. Die zwangsläufige Folge ist, dass es dann meist Frauen sind, die mangels pflegendem Partner auf die Unterstützung von Pflegeeinrichtungen angewiesen sind.

„Die demographische Entwicklung erreicht uns mit voller Wucht“, so Kunzmann. Es kommen die geburtenstarken Jahrgänge. Gleichzeitig nehme die Möglichkeit und die Bereitschaft zur Pflege in der Familie immer weiter ab. Hierauf will die Landespolitik Antworten finden. In einer von der CDU initiierten Enquete-Kommission „Pflege“ sucht der Landtag parteiübergreifend nach Lösungen.  Thaddäus Kunzmann ist in dieser Kommission Obmann seiner CDU-Fraktion. Die Kommission wird bis Ende des Jahres Handlungsempfehlungen erarbeiten, die langfristig wirken sollen – unabhängig davon, welche Partei regiert.

Zusätzlicher Bedarf von 57.000 Pflegekräften im Land

Die Herausforderungen, auf die die Kommission bei Ihrer Arbeit trifft, sind beachtlich. Derzeit gelten etwa 200.000 Menschen in Baden-Württemberg als pflegebedürftig. In 2030 rechnet man mit 100.000 zusätzlichen Personen. Die dafür erforderlichen Pflegeeinrichtungen müssen aber erst noch geschaffen werden. Mit über 5 Milliarden Investitionen in Pflegeplätze rechnet Kunzmann bis 2030. Aber mit der Schaffung von Pflegeeinrichtungen alleine ist es nicht getan. Sorge bereitet die Sicherung des Personals. Derzeit kommen auf 100 Bewohner in der stationären Pflege 98 Pflegekräfte. In der ambulanten Pflege sind es auch noch 50 Mitarbeiter. Hochrechnungen zu Folge entsteht bis zum Jahr 2030 so ein zusätzlicher Bedarf von 57.000 Pflegekräften im Land.

Dass zahlreiche Mitarbeiter aus dem Ausland diese Aufgaben übernehmen wertet Kunzmann als positiv. Ohne diese Kräfte sei Pflege schon heute kaum mehr vorstellbar. Sorge bereite aber gleichzeitig das immer höhere Anforderungsdenken. Eine zunehmende Akademisierung hält Kunzmann für ebenso gefährlich für die Nachwuchssituation wie die geplante gemeinsame Ausbildung von Altenpflege- und Krankenpflegefachkräften. Hier werde die Altenpflege das Nachsehen haben, befürchtet man unter Pflegeexperten.

„Wir brauchen geeignete Rahmenbedingungen in Familie und Gesellschaft“, ist Kunzmann überzeugt.  Damit meint er die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, die Anrechnung von familiärer Pflegetätigkeit auf Rentenansprüche, Konzepte für das Ehrenamt und neue Sozialraumstrategien in der Quartiersgestaltung. Wie diese aussehen könnten, darauf darf man gespannt sein. Um den Jahreswechsel werden die Ergebnisse der Enquete-Kommission vorgestellt.

 

 
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