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21.10.2015

Stärkere Prävention angesichts steigender Einbruchszahlen im Kreis Esslingen

Referent Paul Mejzlik und Landtagsabgeordneter Thaddäus Kunzmann vor einem Muster-Sicherheitsfenster.

Die vielen Wohnungseinbrüche im Kreis Esslingen berühren das Sicherheitsgefühl von Bürgerinnen und Bürgern. Nach Einbruchdiebstählen bleiben nicht nur materielle Schäden zurück, sondern die Betroffenen bekommen oft auch seelische Probleme.

Angesichts von zuletzt stark angestiegenen Einbruchszahlen hatte der Landtagsabgeordnete Thaddäus Kunzmann zu einer Informationsveranstaltung zu dem Thema ins Bürgerhaus nach Neuffen – Kappishäusern eingeladen. Als Referenten konnte Kunzmann Paul Mejzlik vom Referat Prävention im Polizeipräsidium Reutlingen gewinnen, ebenso die Rechtsanwältin Andrea Sautter vom Weißen Ring Reutlingen, einer Organisation, die sich um Opfer von Straftaten kümmert. Rund 60 Interessierte kamen zu der Veranstaltung. Der Landtagsabgeordnete Thaddäus Kunzmann bezeichnete den Kreis Esslingen als einen der Kriminalitätsschwerpunkte bei den Einbruchdiebstählen. Die Bürger hätten die Erwartung, dass die Polizei präventiv und aufklärerisch tätig wird und sich die Politik des Themas annimmt. Der Ortsvorsteher von Kappishäusern, Dietmar Freudenberg, selbst pensionierter Polizist, dankte Kunzmann für das Aufgreifen des Themas. Er berichtete von eigenen Erfahrungen zu Beginn seiner beruflichen Tätigkeit, als er zu einer Rentnerin in eine Reihenhaussiedlung nach Reutlingen gerufen worden ist. In deren Haus war eingebrochen worden. Der Rentnerin war die gesamte Rente, die sie an dem Tag abgehoben hatte, beim Einbruch gestohlen worden. Die hohen Einbruchszahlen für den Kreis Esslingen bestätigte der Hauptreferent, Paul Mejzlik vom Referat Prävention des Polizeipräsidiums Reutlingen. Während im Jahr 2013 insgesamt 396 Wohnungseinbrüche geschahen, verzeichnete das Polizeipräsidium im Jahr 2014 in seinem Zuständigkeitsbereich, zu dem die Landkreise Esslingen, Reutlingen und Tübingen gehören, 669 Wohnungseinbrüche, berichtete Mejzlik. Für das Jahr 2015 sind bis Oktober bereits 359 Einbrüche durch die Polizei aufgenommen worden. Da in der Regel die meisten Einbrüche in der Zeit von Oktober bis März geschehen, dürfte sich die Zahl bis Ende des Jahres noch kräftig erhöhen. Von den 669 Fällen, die 2014 im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums geschahen, entfielen mehr als die Hälfte auf den Kreis Esslingen. Besonders auf den Fildern werde vermehrt eingebrochen. Mejzlik vermutet als Grund die verkehrsgünstige Erreichbarkeit durch die A8 und die B27. Die Täter reisen oft aus Osteuropa an, gehen dann von Haus zu Haus und brechen dort ein, um dann über die Verkehrswege schnell wieder zu entweichen. Ihr Auto dient ihnen als eine Art Stützpunkt, in dem sie ihr Diebesgut deponieren. Um nicht aufzufallen, wählen sie im Gegensatz zu früher Autos mit deutschen Kennzeichen. Paul Mejzlik hatte kürzlich mit Polizeischülern Wohngebiete auf den Fildern besucht, um dort Bewohner vor den Risiken zu warnen. Drei Punkte nannte Paul Mejzlik, deren Umsetzung zu mehr Schutz vor Einbrüchen führt, ein sicherheitsbewusstes Verhalten, guter mechanischer Grundschutz und eine gute Nachbarschaft. Zu einem sicherheitsbewussten Verhalten gehöre unter anderem das Schließen von Fenstern und Türen, wenn die Wohnung oder das Haus verlassen wird. Zusätzlichen Schutz könne eine angeschaltete Beleuchtung bieten, da diese beim Verlassen der Wohnung unter Umständen einen möglichen Täter vom Einbruch abhalte. Denn die Einbrecher brechen eher in unbeleuchtete Häuser ein. Mejzlik empfahl die Verwendung von Zeitschaltuhren. Der zweite wichtige Punkt sei der mechanische Grundschutz. Türen mit Mehrfachverriegelung verhindern Einbrüche weil sie nicht aufgehebelt werden können. Einbruchssichere Fenstertüren und Fenster, die mit rundumlaufenden einbruchhemmenden Beschlägen und Pilzzapfen ausgestattet sind, bieten mehr Schutz. Seien die nicht vorhanden, gebe es auch die Möglichkeit die vorhandenen Fenster nachzurüsten. Über Fenster und Fenstertüren bzw. Balkontüren dringen 80% der Einbrecher ein, deshalb seien sichere Fenstertüren und Fenster der beste mechanische Schutz gegen Einbrüche. Bei Fragen können sich Firmen und Bürger direkt an die Präventionsstelle der Polizei wenden und erhalten eine kostenlose Beratung. Eine gute aufmerksame Nachbarschaft sei der dritte Punkt zu einer wirksamen Prävention vor Wohnungseinbrüchen. „Entdeckt ein Bürger etwas Auffälliges oder verdächtige Personen, sollte er dies der Polizei melden,“ sagte der Präventionsexperte der Polizei. Bettler, die an Haustüren klingeln oder dubiose Personen, die Häuser oder Straßen auffällig beobachten, fotografieren und sich Notizen machen, sollten bei der Polizei gemeldet werden, besonders dann, wenn sie in den entsprechenden Wohnvierteln nicht bekannt sind. Paul Mejzlik beantwortete viele Einzelfragen von Bürgern. Einzelne Anwesende berichteten von jahrelangen Traumata, nachdem sie Opfer von Einbruchsdiebstählen geworden waren. Auf diese traumatischen Erfahrungen ging Rechtsanwältin Andrea Sautter vom Weißen Ring Reutlingen ein. Der weiße Ring ist eine bundesweit tätige Organisation, die Opfer einer Straftat unterstützt. Die Opfer erlebten Einbrüche oft als einschneidende Grenzüberschreitung. Die eigenen vier Wände werden als nicht mehr sicher erlebt. Eine Dame, in deren Wohnung eingebrochen worden sei, konnte danach nicht mehr schlafen. Erst nach einer Psychotherapie normalisierte sich das Schlafverhalten. Gravierender traumatisiert worden sei eine Frau, in deren Haus zweimal eingebrochen worden sei. Sie wollte danach nicht mehr in dem eigenen Haus leben, teilte Andrea Sautter mit.

www.k-einbruch.de

 

Text und Bild: Peter Schuster
Der Artikel erschien in der Nürtinger Zeitung vom 23. Oktober 2015

 
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