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16.03.2015

Schulfrieden in Leinfelden-Echterdingen

Gemeinsamer Antrag der Gemeinderatsfraktionen von CDU, Freien Wählern und Gemeinderäten der FDP

„Weiterentwicklung der Ludwig-Uhland-Werkrealschule“

Die unterzeichnenden Fraktionen und Mitglieder des Gemeinderats beantragen aus dem Empfehlungsbeschlussantrag der Vorlage Nr. 025/2015 die Punkte 1. – 3. zu streichen. Punkt 4 wird dringend zugestimmt.

Nach langjährigen und intensiven Diskussionen im AK-Schulentwicklung, die keinen Konsens ergeben haben, sowie nach eingehenden, internen Beratungen und dem erforderlichen Fokus auf die veränderte Gesamtsicht der Schullandschaft , lehnen wir die Einführung einer Gemeinschaftsschule in Leinfelden-Echterdingen ab. Daher beantragen wir zur Wiederherstellung des Schulfriedens, die Diskussion um die Einführung der Gemeinschaftsschule umgehend zu beenden.

Begründung

In Leinfelden-Echterdingen gibt es mit den beiden Gymnasien und der Realschule, an der ab dem Schuljahr 2016/17 auch der Hauptschulabschluss standardmäßig angeboten wird, ein Bildungsangebot, das für unsere Schüler alle drei Bildungsabschlüsse ermöglicht.

Gemeinschaftsschule ( nachfolgend GMS genannt) ist keine überzeugende Schulart

Wir sind von den pädagogischen und didaktischen Grundsätzen der GMS nicht überzeugt. Aus unserer Sicht brauchen Kinder und Jugendliche den Klassenverband zur Sozialisation. Individuelles Lernen führt dagegen zu Einzelkämpfern und behindert das soziale Lernen. Auch sehen wir mit dem Wegfall von Notengebung und Nichtversetzung einen Widerspruch zum Konzept des Forderns und Förderns.

Da die GMS erst vor knapp drei Jahren eingeführt wurde, gibt es weder Erfahrungen noch Erhebungen zum Leistungsvergleich mit den Realschulen und Gymnasien, so dass unklar ist ob die GMS eine erfolgreiche Schulart ist. Wir vermissen auch klare Regelungen für GMS-Schüler nach Abschluss der Sekundarstufe 1: Das betrifft sowohl den Übergang auf Gymnasien als auch den in eine berufliche Laufbahn.

Realschule bietet Hauptschulabschluss

Aufgrund der Neustrukturierung der Realschule durch die Landesregierung, sehen wir die Notwendigkeit der Weiterentwicklung der Immanuel Kant Realschule. Dies betrifft Angebote zur Ganztägigkeit ebenso wie die innere Schulentwicklung. Bereits jetzt muss die Realschule mit einer größeren Heterogenität umgehen.

Die Neustrukturierung der Realschule durch die Landesregierung sieht vor, dass an den Realschulen neben dem mittleren Bildungsabschluss auch der Hauptschulabschluss standardmäßig erworben werden kann.  Durch die Orientierungsstufe und die Wechseloption nach Klasse 8 ist auch eine Durchlässigkeit vom G- ins M-Niveau gewährleistet. Den Übertritt von der Realschule auf die Gymnasien oder den Wechsel nach dem Realschulabschluss auf ein weiterführendes Gymnasium vollzieht die Realschule seit Jahren erfolgreich.

Die Übertrittquote auf die beruflichen Gymnasien liegt bei über 60% in den vergangenen Jahren.  Eine zusätzliche weiterührende Schulart in Form einer GMS ist zur Erlangung des Hauptschulabschlusses in LE nicht notwendig.

Eine zusätzliche Option den Hauptschulabschluss in unserer Stadt zu ermöglichen, sehen wir aufgrund der Schülerentwicklungszahlen, die aktuell vorliegen, als nicht erforderlich an.

Zu erwartender Raumbedarf der Realschule

Durch den zu erwartenden Anstieg der Schülerzahl an der Realschule wächst deren Raumbedarf. Ebenfalls ist durch die gesetzlich vorgeschriebene Veränderung an der Realschule zu erwarten, dass diese eine Form der Ganztägigkeit in Wahlform beantragen wird. Die freiwerdenden Räume der LU-WRS können sowohl von IKR als auch IKG genutzt werden. Der jetzt auf verschiedene Schulen verteilte muttersprachliche Unterricht kann ebenfalls in den Räumen der LU-WRS untergebracht werden.

Kostenschätzung

Das derzeitige Raumangebot für die LU-WRS entspricht dem für die Schulart WRS. Wie das Beispiel der GMS in Kirchheim² zeigt, liegt speziell im Raumbedarf das größte Kostenrisiko für die Kommune. Wir erachten es auch aus diesem Grund als nicht verantwortbar einer GMS zuzustimmen.

 Für die Zukunft der Schullandschaft in LE befürchten wir, dass politischer Druck auf die Realschule und die Gymnasien entsteht, mit der GMS vor Ort zu fusionieren. Die gesetzliche Definition der GMS impliziert, dass sie alle anderen Schularten in sich vereint und nur dann ihrem eigentlichen Sinn und Zweck entspricht. Führen wir die GMS in Leinfelden-Echterdingen ein, müssen uns die mittel- bis langfristigen Auswirkungen auf die bereits bestehenden weiterführenden Schularten bewusst sein.

Davon betroffen sind in unserer Stadt sowohl die Realschule, die Gymnasien und auch die Lindach-Förderschule.

Fazit

Wir erkennen an, dass an der Ludwig-Uhland-Werkrealschule bisher gute pädagogische Arbeit geleistet wurde und die Schüler erfolgreich auf den Berufsweg vorbereitet wurden. Wir entscheiden uns gegen eine GMS und nicht gegen die bisherige Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer an der LU-WRS. Dass die LU-WRS möglicherweise im nächsten Schuljahr nicht genügend Schüler für die Eingangsklasse 5 findet und deshalb als Werkrealschule von einer Schließung bedroht ist, liegt unter anderem an dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung. Wir respektieren den Wunsch der Eltern, die durch verstärkte Anmeldung an die Realschule und die Gymnasien signalisieren, welchen Abschluss sie für ihre Kinder anstreben. Unsere Entscheidung zur Weiterentwicklung der IKR entspricht somit dem offenkundigen Bürgerwillen.

Seit November 2014 liegt das Konzept der Landesregierung zur Weiterentwicklung der Realschule vor. Darauf hat die Verwaltung nicht reagiert, daher erwarten wir umgehend eine umfassende Unterstützung und Stärkung der Realschule.

Nachdem seit Wochen viele Aussagen in der Öffentlichkeit ausgetauscht werden, bei der unserer Ansicht nach Aspekte und Konsequenzen für die gesamte Schullandschaft in unserer Stadt außen vor gelassen werden ,sehen wir die Zeit gekommen, die Diskussionen zu beenden und im Interesse des Schulfriedens und zum Wohle aller am Schulleben Beteiligten jetzt eine Entscheidung herbeizuführen.

 

Ilona Koch                                        Dr. Eberhard Wächter                                             Judith Skudelny,

Stellv. Fraktionsvorsitzende CDU        Pressesprecher Freie Wähler                                  FDP        

 

² Der Schulleiter der Rauner-Schule in Kirchheim, Klinger, wird in der FZ vom 24.02.2015 mit folgenden Worten zitiert: „Dass es die neue Schulform nicht zum Nulltarif gibt, erklärt Klinger mit dem aus dem hohen pädagogischen Anspruch abgeleiteten Raumprogramm. … Da hat jeder Schüler einen individuellen Arbeitsplatz mit eigenem Schreibtisch und Schrank.“

 
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