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24.10.2014

Michael Hennrich beim Festakt 150 Jahre Verschönerungsverein Kirchheim Teck

Verein hat sichtbare Spuren hinterlassen

Kirchheim. 1864 fand im Kirchheimer Rathaus die Gründungsversammlung des „Vereins zur Verschönerung des Bezirks Kirchheim und ihrer Umgebungen“ statt. Erster Vorsitzender war damals Oberamtmann Carl Idler, der in seiner beruflichen Funktion mit einem heutigen Landrat vergleichbar ist.

Nur wenige Meter entfernt vom Gründungsort feierten 150 Jahre später über 120 Mitglieder und Ehrengäste mit einem Festakt im Alten Gemeindehaus das Jubiläum des Verschönerungsvereins Kirchheim unter Teck. Viele Ehrengäste machten die Bedeutung des Vereins deutlich, der sich um den Erhalt von kulturellen Schätzen, Kleindenkmalen und Bauwerken einsetzt. Unter anderem waren die Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, der Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich, Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, Präsident des Schwäbischen Albvereins, und Erhard Bruckmann, Vorsitzender des Verschönerungsvereins Stuttgart. Dr. Christoph Miller, Vorstandsmitglied des Verschönerungsvereins, moderierte den Festakt. Wie familiäre Biografie und Vereinsgeschichte miteinander verwoben sind, zeigte Miller anhand seines Großvaters auf. Dieser Großvater Dr. Albert Hölzle, ebenfalls ein engagiertes Vereinsmitglied, legte in den 1930er Jahren als erster Bürger das Fachwerk seines Hauses frei und begründete damit den Ruf Kirchheims als Fachwerkstadt. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker würdigte die Bedeutung des Verschönerungsvereins. Die Mitglieder des Vereins zeichnen sich durch Heimatverbundenheit und Geschichtsbewusstsein aus, „die ihre Anliegen mit Herzblut verfolgen“. Als sichtbare Zeichen, die der Verschönerungsverein im Stadtbild hinterlassen hat, nannte die Oberbürgermeisterin die Zähringersteele, den Alemannenstein am Ziegelwasen, die Aussichtsplattform am Würstlesberg, die Gestaltung des Marktbrunnens anlässlich des 100jährigen Jubiläums des Vereins und vieles andere mehr. Als Geschenk der Stadt übergab die Oberbürgermeisterin Angelika Matt – Heidecker einen Scheck stellvertretend an den Vereinsvorsitzenden Fritz Heinzelmann für die vielfältig geleistete Arbeit der Vereinsmitglieder. Der Präsident des Schwäbischen Albvereins, Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, erinnerte daran, dass ohne den Kirchheimer Verschönerungsverein ein bedeutendes Wahrzeichen des Landkreises Esslingen, die Burg Teck mit ihrem markanten Turm, nicht existierte. 1886 errichteten Mitglieder des Verschönerungsvereins zunächst ein gemauertes Gebäude als Schutzhalle für die Wanderer. 1889 konnte der Turm fertiggestellt werden, dem im Laufe der Zeit weitere Anbauten folgten. 1954 wechselte die Burg Teck den Besitzer. Der Schwäbische Albverein erwarb die Burg Teck vom Verschönerungsverein, der ab diesem Zeitpunkt seine Aktivitäten auf Kirchheim konzentrierte. Erhard Bruckmann, der Vorsitzende des Stuttgarter Verschönerungsvereins, hob die Verbundenheit mit dem Kirchheimer Verein hervor. Dies machte Erhard Bruckmann am früheren Kirchheimer Vereinsvorsitzenden Hubert Häußler fest. Er war Forstamtsleiter in Kirchheim und Vorsitzender von 1951 bis 1958. Nach seinem Wechsel nach Stuttgart als Landesforstmeister übernahm er von 1960 bis 1980 den Vereinsvorsitz im Stuttgarter Verschönerungsverein. Gemeinsames Anliegen der beiden Verschönerungsvereine sei der Einsatz für den Denkmalschutz, den Wegebau, für die Parkpflege und Erhalt von Grünanlagen im innerstädtischen Bereich. Im Vortrag ging der Vorsitzende Fritz Heinzelmann auf die Vereinsgeschichte ein. Dem Jubiläumsvortrag gab Heinzelmann den Titel „Erfüllte und unerfüllte Wünsche des Verschönerungsvereins.“ In der Anfangszeit nach der Gründung kümmerten sich Mitglieder des Vereins um die Wanderwege am Albtrauf und Albrand und um den Erhalt und die Erschließung von Burgruinen. „Sie alle machen heute das Markenzeichen unserer heimatlichen Kulturlandschaft aus, die es zu bewahren gilt,“ sagte Heinzelmann. Die Schaffenskraft des Vereins zeige sich exemplarisch an der Aussichtsplatte auf dem Kirchheimer Würstlesberg, die einen fantastischen Blick auf Kirchheim und die Schwäbische Alb erlaube. Um es den Kirchheimer Bürgern zu ermöglichen, den Aussichtspunkt zu Fuß innerhalb von 30 Minuten zu erreichen, „erbettelte der Verschönerungsverein in jahrelangen Aktionen die Geldmittel für eine Steintreppe.“ Diese trage deshalb im Volksmund den Namen „Betteltreppe“. Heinzelmann erwähnte die gute Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und Verein bei diesem Projekt. Heinzelmann lobte zudem das Engagement der heutigen Oberbürgermeisterin, als es darum ging die Vereinsarbeit ab 2008 neu zu beleben. Am Ende seiner Rede brachte Fritz Heinzelmann noch einen unerfüllten Wunsch zum Ausdruck: „Schwer enttäuscht hat mich 2013 die Entscheidung des Ortschafts- und Gemeinderats, die Fachwerkfassade des Jesinger Rathauses aus dem Jahr 1577 nicht für die Nachwelt zu erhalten. Es gibt in Kirchheim nur noch ganz wenige Fachwerkfassaden, die älter sind,“ betonte Heinzelmann. Wie man in Kirchheim mit dem heimatlichen Fachwerk-Erbe auch positiv umgehen kann, zeige sich am Beispiel der alten Bruckmühle, für deren Erhalt sich der Verschönerungsverein 2011 stark gemacht hätte und die jetzt renoviert werde und für das Stadtbild erhalten bleibe. Die Förderung der Freilegung und der Erhalt der Fachwerkfassaden werde auch in Zukunft eine ureigenste Aufgabe des Verschönerungsvereins bleiben, schloss Fritz Heinzelmann seinen Vortrag.

Im Vortrag zum Thema „Quellen des Lebens – Brunnen in Kirchheims Vergangenheit“ ging das Vereinsmitglied Winfried Müller auf die Geschichte der Wasserversorgung und der Brunnen in Kirchheim ein. Anlass war die Stiftung der Jubiläumstafel am Trösterbrünnele, die von der Steinmetzfirma Harald Fischer aus Holzmaden fachmännisch aufgestellt und im Rahmen einer Feier des Verschönerungsvereins in den Besitz der Stadt Kirchheim übergeben worden war.

Ein Orchester der Kirchheimer Musikschule unter der Leitung von Takashi Otsuka umrahmte den Festakt mit Mozarts kleiner Nachtmusik und einer Sonate von Georg Philipp Telemann. Die jungen Musikschüler meisterten bravourös selbst die schwierigsten Passagen der Sonate. Ein weiterer Höhepunkt bildeten die Volkstänze der Tanzgruppe des Trachtenvereins unter der Leitung von Egon Ebner, die mit ihren Polka und Walzertänzen die Anwesenden zu Beifallsstürmen hinrissen.

Die Bilder sowie der Text zur Veranstaltung wurden uns freundlicherweise von Peter Schuster zur Verfügung gestellt- an dieser Stelle herzlichen Dank dafür!

 
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