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28.02.2014

Dustin Gottelt berichtet von Taifun-Einsatz auf den Philippinen

Bild 1: Dustin Gottelt. Bild 2: Peter Bender, Stephan Bröckmann, Dustin Gottelt, Michael Hennrich, Karl Zimmermann, Dr. Andreas Baumann

Abgeordnete zu Gast beim THW Kirchheim

Zu einem Informationsaustausch trafen sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich und der CDU-Landtagsabgeordnete Karl Zimmermann in den Räumen des Technischen Hilfswerks (THW) in Kirchheim. Neben dem THW-Ortsbeauftragten Dr. Andreas Baumann, Stellvertreterin Maren Krebs sowie Peter Bender, Geschäftsführer der Geschäftsstelle Göppingen des Technischen Hilfswerks war auch der erst Ende des letzten Jahres neu berufene Landesbeauftragte des THW für Baden-Württemberg, Stephan Bröckmann, nach Kirchheim gekommen. Im Mittelpunkt des Abends stand aber Dustin Gottelt, der von seinem Einsatz nach dem Taifun auf den Philippinen berichtete

Dustin Gottelt ist im Hauptberuf Rettungsassistent. Aber auch im Ehrenamt lässt ihn das Thema „Helfen“ nicht los. Dann schlüpft er aus der rot-weißen Einsatzkleidung des Rettungsassistenten in die blaue Kluft des Technischen Hilfswerks. In der Ortsverband Kirchheim ist er einer von gut 50 Ehrenamtlichen, die sich als Helfer für die ganz besonderen Fälle verstehen. Sie bauen binnen weniger Stunden Schwerlastbrücken, räumen und bergen nach Sturm- und Wasserschäden oder stellen Wasser- und Stromversorgungen her. Der 28-jährige Dustin Gottelt hat aber noch eine Schippe drauf gelegt: er gehört zur SEEWA, einer bundesweit ca. 150 Personen umfassenden Auslandseinheit.

Mit der Schnell-Einsatz-Einheit-Wasser-Ausland (SEEWA) ist das THW in der Lage, schnell auf Gefahrenlagen im Bereich der Trinkwasserversorgung zu reagieren. Zu den Aufgaben der SEEWA zählen die Erkundung, die mobile Trinkwasseraufbereitung, die Wasserabgabe, die Wasseranalyse, technische Beratung und die Instandsetzung zerstörter Wasserversorgungssysteme. Die jeweils zehnköpfigen Einsatzteams sind mit moderner Ausstattung ausgerüstet in der Lage, innerhalb weniger Stunden in ein Katastrophengebiet aufzubrechen.

Am 8. November 2013 trifft Taifun „Jolanda“ mit Geschwindigkeiten von über 380 km/h auf die Philippinen und verursacht bis zu 15m hohe Flutwellen. 6000 Menschen fallen dem Sturm zum Opfer, 4 Millionen Menschen werden obdachlos. Auf mehreren Wegen treffen Hilfeersuchen in Deutschland ein. Bereits am nächsten Tag schicken Innenministerium und Auswärtiges Amt ein fünfköpfiges Erkundungsteam auf die Phlippinen. Ihr Auftrag: Lageerkundung und Prüfung der Einsatzoptionen im Bereich Logistik, Infrastruktur und Trinkwasseraufbereitung. Am 13. November brechen die ersten diensthabenden Mitglieder von SEEWA mit 20t Material gen Philippinen auf. Schnell ist klar, dass mehr Helfer gebraucht werden. Eine Verfügbarkeitsabfrage geht an alle SEEWA -Mitglieder heraus. Nun heißt es für Dustin Gottelt und seine Kollegen zu klären, ob der Arbeitgeber sie für 3-4 Wochen freistellen kann, ob tatsächlich alle Eintragungen im Impfbuch komplett sind und die persönliche Reisetasche gepackt ist.

Am 9. Dezember ist es für den Kirchheimer Helfer soweit. Vom Frankfurter Flughafen geht es über Hong-Kong auf die Philippinen. Einsatzort für Dustin Gottelt ist die Insel Bantayan. Trinkwasseraufbereitung, Trinkwasserverteilung, Laboruntersuchungen und Brunnenrehabilitation lautet der Auftrag für sein Team. Ein Gebiet vergleichbar mit der Gesamtfläche Kirchheims ist mit Trinkwasser zu versorgen.

„Das bedeutet Aufbereitung und Verteilung von täglich etwa 45000 Litern Trinkwasser,  tägliche Laboranalysen und die Zusammenarbeit mit lokalen Kräften, zum Beispiel bei der Verteilung des Trinkwassers“, berichtet Gottelt. Schließlich bringen die Helfer zwar das technische Gerät für die Trinkwasseraufbereitung mit. Schweres Gerät wie Lkw oder Mannschaftstransportfahrzeuge müssen sie allerdings vor Ort organisieren.

„Das waren unglaubliche Bilder der Verwüstung“, beschreibt Gottelt die Situation am Unglücksort. Die meist nur in leichten Holz und Wellblechkonstruktionen gebauten Behausungen waren nahezu vollständig dem Erdboden gleich gemacht worden. Umso beeindruckender war für Gottelt die Gelassenheit, mit der die Philippinos mit der Situation umgingen. „Immer freundlich, immer nett, sie lassen sich die Laune nicht verderben.“ Zunächst konnten es die Einheimischen nicht glauben, dass das von den THW-Helfern aufbereitete Wasser kostenlos verteilt wurde. „Erst als wir die Transportwagen mit entsprechenden Beschriftungen versehen hatten, kamen die Menschen zu den Verteilfahrzeugen“, schildert Dustin Gottelt.

Gewöhnungsbedürftig war für die Einheimischen auch das Chlor im Wasser. Denn die Filteranlagen des THW produzieren, unter anderem auch aus haftungsrechtlichen Aspekten heraus, Trinkwasser nach der strengen Deutschen Trinkwasserverordnung. Was für Deutsche Verbraucher aus Hygienegründen selbstverständlich ist, mutete auf den Philippinen aber ungewohnt an. “Wir mussten vortrinken, um zu zeigen, dass das ungewohnt riechende Wasser genießbar ist,“ so Dustin Gottelt.

War das Eis aber erst einmal gebrochen, entwickelte sich schnell eine angenehme Zusammenarbeit zwischen Helfern und Einheimischen. Kinder halfen Schläuche aufzurollen und der örtliche Bürgermeister stellte binnen weniger Stunden Teams für Multiplikatorenschulungen zusammen. „Wir brauchen eine Exit-Strategie“ erklärt Dustin Gottelt und meint damit einen Weg von der Fremdhilfe hin zur Selbstsorgung. Das bedeutet im Fall der Wasserversorgung vorhandene Brunnen zu untersucht und mit Generatoren und Chlordosierpumpen auszustatten. „Ziel ist, dass ausreichend sauberes Trinkwasser auch ohne die mobilen Geräte des THW zur Verfügung steht und Einheimische die Systeme betreuen und warten können.“ Für diese Ausbildung sorgt ebenfalls das THW – deutscher Gründlichkeit: am Ende gibt es sogar ein Zertifikat mit dem deutschen Bundeswappen.

Nach dreieinhalb Wochen – am Morgen des Neujahrstages - landete der Kirchheimer THW-Mann mit vielen eindrucksvollen Erfahrungen im Gepäck wieder in Frankfurt. „Man bekommt eine andere Sichtweise auf unseren deutschen Alltag“, fasst er seine Erfahrungen zusammen. Oft denke er „es darf nicht wahr sein, mit was wir uns in Deutschland mitunter beschäftigen.“ Wenn Dustin Gottelt das sagt, klingt es nicht verärgert, es klingt vielmehr gereift und angenehm erwachsen und bescheiden.

Werben um Nachwuchs und Verständnis bei den Arbeitgebern

Dreieinhalb Wochen, so viel Urlaub hat ein Arbeitnehmer selten am Stück. „Für einen solchen Zeitraum ehrenamtlich engagierte Mitarbeiter freizustellen, macht vor allem kleineren mittelständischen Betrieben Sorgen“, berichtet Dr. Andreas Baumann in der anschließenden Diskussion. Zusammen mit der Politik für Verständnis für die Ehrenamtlichen in den Hilfs- und Rettungsdienst zu werben, sei deshalb eine zentrale Aufgabe. Aber auch die Nachwuchssicherung sehen Stephan Bröckmann und Peter Bender als Daueraufgabe. Beim Elbehochwasser wären zwar schnell 2000 Helfer via Facebook mobilisiert gewesen. „Aber wir brauchen auch die notwendigen Fachleute, die diese einweisen,“ beschreibt Bröckmann die Situation. Gerne gehe man deshalb auch an Schulen, berichte von der Arbeit und werbe für den Nachwuchs. Ab dem zehnten Lebensjahr können Jugendliche dabei sein. Derzeit sind es rund zwanzig Mädchen und Jungs, die sich für den Technischen Hilfsdienst begeistern. Nähere Informationen gibt es unter www.thw-kirchheim.de.  

Michael Hennrich und Karl Zimmermann zollten Dustin Gottelt Großen Respekt und hohe Anerkennung für sein Engagement. Für die Arbeit des THW versprachen Sie weiterhin ein offenes Ohr und wo nötig auch die erforderliche politische Unterstützung.

 
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