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04.12.2013

„Die Qualität des Unterrichts ist entscheidend“

Bildungspolitischer Dialog mit Georg Wacker im Nürtinger Schlachthof

Nach rund 2 ½ Jahren grün-roter Regierungszeit zieht die Opposition in der Bildungspolitik Bilanz. Dafür hatte der Nürtinger CDU-Landtagsabgeordnete Thaddäus Kunzmann den bildungspolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion und ehemaligen  Staatssekretär im Kultusministerium, Georg Wacker nach Nürtingen eingeladen. Sein Fazit: Der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung hat die Realschulen und Gymnasien völlig unvorbereitet getroffen.

Über 60 Prozent der Menschen im Land sind unzufrieden mit der Bildungspolitik der Regierung, ergab eine SWR-Umfrage kürzlich. Ein erschreckendes Meinungsbild, so Georg Wacker. Dabei habe die CDU ein funktionierendes, durchlässiges Bildungssystem hinterlassen und habe kontinuierlich an dessen Verbesserung gearbeitet. Im Jahr 2000 hätten noch 60 % eines Jahrgangs die Mittlere Reife oder einen höheren Abschluss erreicht. 2010 lag diese Zahl bei 75 %. „Es gab also keine nachweisbare Notwendigkeit für Bildungsreformen“, so Wacker.

Mit der Abschaffung der Grundschulempfehlung  habe die Landesregierung vor allem die Eltern glücklicher machen wollen. Mit Abstand betrachtet habe man aber tatsächlich Unsicherheit und Überforderung geschaffen. Die Schulträger seien überfordert, Räumlichkeiten bereit zu stellen, Lehrkräfte seien mit Schülern konfrontiert, die den Bildungsanforderungen an ihren Schulen nicht gewachsen sind. Schon nach kurzer Zeit sei erkennbar, dass eine optimale Förderung der betroffenen Schüler nicht mehr möglich sei und die Quote der Sitzenbleiber deutlich steige.

Während die neu eingeführten Gemeinschaftsschulen vorrangige Lehrerzuweisungen erhielten, drohe an den verbliebenen Schulen der Rotstift. Wie bekannt ist, will die grün-rote Landesregierung in den kommenden Jahren 11.600 Lehrerstellen streichen, um die Vorgaben der Schuldenbremse bis 2020 zu erfüllen. Die verbliebenen Lehrkräfte kämpften derweil mit einer immer größeren Heterogenität der Schüler – sowohl an den Realschulen als auch an den Gymnasien.

„Bis heute warten wir auf ein klares Bekenntnis zur Realschule“, ärgerte sich Wacker. „Die Realschulen waren und sind das Rückgrat des differenzierten Schulsystems.“ Statt diese Säule zu stärken, entziehe man ihnen Ressourcen und dränge sie mit der Verlockung nach mehr Lehrerzuweisungen dazu, Gemeinschaftsschule zu werden. Das ist keine Politik, die die CDU gutheißen kann. , so Wacker „Wir wollen, dass Schülerinnen und Schüler im Land auch in Zukunft eine gute Schulausbildung mir hochwertigen Bildungsabschlüssen erhalten.

In einem in der vergangenen Woche vorgestellten Eckpunktepapier  hat die Landtagsfraktion aufgezeigt, wie die zukünftige Schulpolitik gestaltet werden kann. „Das Papier ist eine echte Alternative zu der von der derzeitigen Landesregierung vorangetriebenen Umwälzung der gesamten Schullandschaft. Wir wollen differenzierte Bildungsgänge und -abschlüsse, um den unterschiedlichen Begabungen und der Einzigartigkeit des einzelnen Schülers bestmöglich entsprechen zu können“, erklärte Wacker. „Im Mittelpunkt steht dabei immer das pädagogische Konzept - die Qualität des Unterrichts ist entscheidend“.

Auf die demographischen Herausforderungen müsse man mit variablen Konzepten in der Schulorganisation die passenden Antworten finden – sowohl für den schwach besiedelten ländlichen Raum als auch für die Städte. So kann man sich bei der CDU neben den bestehenden G8-Gymnasien Verbundschulen aus Haupt-/Werkrealsschulen und Realschulen vorstellen. Aber auch eine Differenzierung innerhalb der bestehenden Realschule in Richtung des Mittleren Bildungsabschluss als auch Hauptschulabschluss sei möglich.

„Wir wollen eine vernünftige äußere Differenzierung an diesen Schulen, um Raum für eine zielgerichtete Förderung und Unterstützung der Schüler zu lassen“, beschrieb Georg Wacker die Ziele der CDU-Landtagsfraktion. So sollen speziell in den Klassenstufen 5 und 6 leistungsschwächere wie auch leistungsstärkere Schüler von Förder- und Leistungsangeboten profitieren. Ab Klasse 7 sollen die Schüler dann einen passgenauen Unterricht entsprechend dem angestrebten Bildungsziel – Mittlere Reife oder Hauptschulabschluss - besuchen. „Damit werden die Voraussetzungen gesichert, dass auch künftig ein baden-württembergischer Schulabschluss eine hohe Wertigkeit besitzt und kein Schüler auf der Strecke bleibt“, so Wacker.

 „Wir sind uns bewusst, dass gerade auch die praktische Erfahrung der Berufswelt von großer Bedeutung ist“, betonte Georg Wacker. Darum sollen die Schülerinnen und Schüler mit Ziel Hauptschulabschluss bzw.  Mittlere Reife begleitete Betriebspraktika und gemeinsame Projektphasen mit den beruflichen Schulen durchlaufen. „Das schafft umfangreiche Einblicke in die duale Ausbildung sowie eine klare Vorstellung von einem möglichen Anschluss am beruflichen Gymnasium. Ein wichtiger Baustein ist für uns dabei die enge Verzahnung mit den beruflichen Schulen“, erklärte Georg Wacker.

In der anschließenden Diskussion wurde das CDU-Papier kritisch hinterfragt. In diesem Zusammenhang bekannte sich der hiesige CDU-Abgeordnete Thaddäus Kunzmann zur Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlung. Kunzmann: „Entscheidend ist doch das Kindeswohl. Ich kann keinen Sinn darin erkennen, ein Kind auf einer Schule zu überfordern und damit den Grundstein für eine verkorkste Schulkarriere zulegen.“ Die verbindliche Grundschulempfehlung war nicht in jedem Fall fehlerfrei. Aber sie war ausgesprochen genau und Fehler konnten im Laufe des weiteren Schulweges durch den Besuch von weiterführenden Schulen korrigiert werden. Kunzmann: „Das war dann ein motivierender Aufstieg und kein Abstieg.“

Differenziert äußerte sich Kunzmann auch zur Inklusion. Er habe alle Sonder- und Förderschulen in seinem Wahlkreis besucht. Sein Fazit: Dort werde eine hervorragende Arbeit geleistet. „Inklusion kann gelingen. Aber es ist kein Patentrezept. Es kommt auf den Einzelfall an. Es macht keinen Sinn, ein Kind durch die Beschulung im Regelunterricht zu überfordern. Ebenso wenig dürfen die Lehrer und die Klassengemeinschaft überfordert werden.“ Auch hier bekannte sich Kunzmann zum Kindeswohl.

 

Mehr Informationen zum Bildungspolitischen Konzept der CDU-Landtagsfraktion:

- Anlage 1

- Anlage 2

 

 
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